Die Erziehung der Kinder von Chlodwig (1861)
Chlodwig I. (ca.466-511) aus der Familie der Merowinger war der erste König der Franken, der alle fränkischen Stämme
unter sich vereinte. Er konvertierte zum Katholizismus und besiegte den letzten römischen Statthalter in Gallien,
die Westgoten und die Alemannen. Man sieht in ihm gerne den Gründer des christlich-katholischen Abendlandes. Deshalb
war Chlodwig auch immer wieder ein beliebtes Motiv der Historienmalerei, wobei allerdings seine Taufe oder sein Sieg
über die Alemannen bei Zülpich thematisiert wurden.
Alma-Tadema zeigt ihn dagegen in trautem Familienkreis an der Seite seiner Gattin der burgundischen Prinzessin Chrodechild,
wie sie im Innenhof einer antiken Villa Hof halten. Sie beobachten dabei ihre Söhne, die sich im Umgang mit der "Franziska",
der fränkischen Wurfaxt üben.
Man muss sicher nur ein wenig in der Geschichte der Franken von Gregor von Tours lesen (sicher auch Alma-Tademas Hauptquelle)
um eine Vorstellung von den blutigen Intrigen und Familienfehden der Merowinger zu bekommen, auf die die Kinder hier wohl
vorbereitet werden sollen.
Es ist typisch für Alma-Tadema, dass er kein großes Schlachtengemälde abliefert, sondern den Herrscher als Familienvater
zeigt. Obwohl er dabei großen Wert auf historische Details legt, wie die Villa oder die Kleidung des fränkischen Adels,
zeigt er letzten Endes doch eine wohlhabende großbürgerliche Familie des 19. Jahrhunderts, die ja auch seine Kundschaft
stellte. Die süßen Kinderchen könnten vor den Eltern und den geladenen Gästen auch Klavier spielen. Es sind viktorianische
Bürger, die kostümiert "Geschichte" spielen, aber genau dies wurde zum Erfolgsrezept von Alma-Tadema.
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