Proklamation von Claudius zum Kaiser (1867)
Kaiser Claudius (10 v.Chr - 54 n.Chr.) war der vierte römische Kaiser der julisch-claudischen Dynastie. Wahrscheinlich
überlebte er die Regierungszeit seines Neffen Caligula nur, da er als behindert galt - so soll er gestottert haben -
und deshalb von diesem nicht als Konkurrent um Kaiserkrone angesehen wurde. Als Caligula nach einer Verschwörung der
wichtigsten Senatoren und der Prätorianergarde 41 n.Chr. ermordet wurde, fürchtet Claudius der Legende nach ebenfalls
um sein Leben und versteckte sich hinter einem Vorhang. Es ist allerdings gut möglich, dass Claudius an der Verschwörung
beteiligt war. Hinter diesem Vorhang entdeckten ihn dann die plündernden Prätorianer und riefen ihn zu seiner völligen
Überraschung zum Kaiser aus.
Alma-Tadema zeigt nun die Szene, in der der unwissende Claudius noch um sein Leben fleht und von den Prätorianern als
künftiger Kaiser begrüßt wird. Das Dekor ist wie immer bei Alma-Tadema mit äußerster Liebe zum Detail gemalt. Unpassend
sind sicher die netten jungen Burschen als Prätorianer, wenn man bedenkt, dass bei einem Kaisermord nicht nur der Kaiser
getötet wurde, sondern jede Menge Höflinge und Palastangestellte zudem der Palast ausgiebig geplündert wurde, wodurch die
Prätorianer ja bei Laune gehalten werden sollte.
Von der entfesselten Soldateska, dem Morden und den Plünderungen ist auf dem Bild nichts zu sehen. Es handelt sich
anscheinend um junge Rekruten - wahrscheinlich hat Alma-Tadema Studenten als Modelle benutzt -, die sich köstlich über
den gelungenen Scherz amüsieren. Auch Claudius selbst, der so theatralisch um sein Leben fleht ist noch ein junger Mann
(in Realität war er bereits 50 Jahre alt). Für Alma-Tadema geht es hier nicht um den Mord an dem Monster Caligula oder
die dubiose Rolle der Prätorianergarde, sondern einzig um eine nette Anekdote.
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