Józef Brandt (1841-1915)
Józef Brandt wurde 1841 in Radom geboren. Eigentlich sollte
er Ingenieur werden, und nachdem er seine Studien in Warschau begonnen
hatte, wechselte er 1858 an eine technische Hochschule in Paris. Er glich
darin vielen seiner Landsleute, die sich der zunehmenden Russifizierung
ihrer Heimat ins Ausland entzogen. In Paris machte er die Bekanntschaft
des polnischen Malers Juliusz Kossak, der ihn dann dazu überredete
Kunst zu studieren.
Da das Lehrangebot in Paris aber wenig seinen Neigungen entsprach –
Kossaks Lehrer Horace Vernet war bereits zu alt -, wechselte er 1863 nach
München, um bei Carl von Piloty zu studieren. Auch mit Pilotys Stil
unzufrieden begann er dann seine Ausbildung im Atelier von Franz Adam,
der sich auf Pferde spezialisiert hatte. Einen sehr großen Einfluss
hatte auf ihn jedoch der mit Adam befreundete Maler Theodor Horschelt,
der die russische Armee als Schlachtenmaler in den Kaukasus begleitet hatte
und bevorzugt Tscherkessen und andere Reitervölker in ihren bunten
Trachten malte.
Fest eingebunden in den Freundeskreis um Adam und Horschelt und bald
ein wichtiges Mitglied der großen polnischen Emigrantengemeinde entwickelte
Brandt nach und nach seinen ureigenen Stil. Seine frühen Bilder -
"Die Schlacht von Chocim" oder "Die Schlacht bei Wien" – sind eigentlich
noch recht konventionelle Schlachtengemälde, doch dann entdeckte er
mit den Kosaken und der ukrainischen Steppe seine großen Themen.
Es sind hier weniger die heroischen und dramatisch ausgeleuchteten Kavallerieattacken,
die seine Kollegen so liebten, sondern viel mehr diese menschlichen Zentauren,
die unglaublich natürlich im Sattel sitzen, die Feldlager und Bagagewagen,
die seinen Bildern ihre Authentizität verleihen. Vor allen Dingen
aber zeigt er immer wieder die Weite des endlosen Landes; das gelang in
Europa sonst kaum einem Künstler – lediglich die nordamerikanischen
Realisten vollbrachten ähnliches.
Wie fast alle seine Zeitgenossen malte Brandt zwar hauptsächlich
im Atelier und besaß dazu einen enormen Fundus an alten Waffen, Sätteln
und Rüstungen. Dennoch fuhr er häufig auf das Landgut seiner
Frau in Polen und unternahm von dort Reisen in die Ukraine. Dort konnte
er wie bei einer Zeitreise die Menschen, Dörfer, Pferdefuhrwerke und
natürlich die Landschaft skizzieren. Letzten Endes nährt sich
also auch bei Brandt der gelungene Realismus aus der Genremalerei.
Mehr zum militärhistorischen Hintergrund vieler Bilder findet man in dem Artikel
Im wilden Feld
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